Testbericht – Kajuna Pirate-Edition 11’6 Touring – das Preiswunder?

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Test-Kajuna-Board-Pirate-Edition

Möglichst wenig Geld ausgeben, für ein Produkt das es qualitativ als auch leistungsmässig mit den allerbesten Premiumprodukten aufnehmen kann.

Sind wir mal ganz ehrlich – Will das nicht quasi jeder?

Und zugegeben, versprechen tun uns das ja u.a. irgendwie auch so ziemlich alle Discount- und Billigboards im Markt. Doch oft enttarnt dies bereits ein erster Test. Nicht selten erkauft man sich mit aufblasbaren No-Name Boards flexende Gummikühe die so viel Wasser vor sich herschieben, als wollen Sie eine Tsunami generieren. Doch auch einige, dem Preis zu liebe abgespeckten Markenboards bekleckern sich im Einsatz nicht unbedingt mit Ruhm.

Kajuna-Boarding, die Schweizer Premium Marke vom Bodensee möchte das mit dem Pirate-Edition inflatable SUP-Board nun ändern. Pirate-Edition kennzeichnet eine speziell für den preis- und qualitätsbewussten Schweizer Kunden entwickelte Board-Gattung welche direkt in den SUP-Piraten Stores vertrieben wird.

Und siehe da, die groben Hausnummern stimmen schon einmal! 699 CHF ist für ein 11’6 langes Touringboard mit sportivem Shape schon eine Ansage. Wir sind zwar ein Stück weit befangen, waren selbst an der Entwicklung mitbeteiligt aber wir checken wie immer möglichst neutral, offen und direkt ob das neue Kajuna Pirate-Edition wirklich auch in der Praxis hält was es verspricht!


Daten und Prüfstand

Die Angaben der Hersteller weichen manchmal von der Realität stark ab. Wir messen wo möglich selbst für euch nach, checken den Inhalt und gehen den Marketingversprechen auf den Grund.

Modell / Jahrgang: Kajuna Pirate-Edition / 2019
Ausführung: 11’6 x 31
Daten (nachgemessen):
Effektive Länge: 349.6 cm
Effektive Breite: 78.9 cm
Effektive Dicke: 15 cm
Gepäcknetz: 34 cm x 55 cm
Finnekasten: Steckfinnenkasten
Gewicht Board (ohne Finne) 9.15 kg
Finnenhöhe (effektiv, ohne Schlitten): 19 cm
Volumen (lt. Hersteller) 290 l
Material (lt. Hersteller):
Lagen: PVC prelaminated One-Layer, Double-Layer Sidewalls
Drop-Stich High Density Drop-Stich
Weiteres: Double Layer Seitenwände
Fusspad: EVA Diamond Cut Pad
Weiteres:
Applikationen: Leash Öse hinten, Ventil hinten, Handgriff, Gepäcknetz mit Kunststoffösen, Abschleppöse vorne unten
Zubehör: Doppelhubpumpe, Light Rucksack, Steckfinne, Repair-Patches, SUP-Ratgeber
Weitere Bemerkungen:

Steifigkeitstest:

Seht selbst – denn Bilder sagen oft mehr als Worte.

Board ohne Belastung
Belastung: 85 Kilo Kampfgewicht, Abstand Böcke = 2 m, 1 Bar Druck

Die ganz grosse Überraschung bleibt aus aber trotzdem zaubert es uns ein Lächeln auf die Lippen. Das Board ist steifer als viele andere Boards dieser Preislage aber es ist sichtbar weicher als Boards im Premium Segment. In Sachen Verdrehsteifigkeit schlägt sich das Board solide aber es will gesagt sein, Premium kann auch hier mehr!

Das Kajuna Pirate-Edition kann trotzdem überzeugen. Auch nach einem 3/4 Jahr ist der Flex unseres Testbrettes wie z.B. bei einigen anderen Boards in dieser Preislage nicht auffällig gewachsen. Auch der Verzug oder die Verdrehung blieb bei den Testboards ganz moderat.

Unser Tipp – wähle ein Touringboard anstelle eines Allroundboards:  Die meisten möchten ihr Board im Flachwasser-Einsatz nutzen. Flachwasser – das bedeutet See, langsamere Flüsse oder ruhigere Meeresküsten. Hier fährt sich ein Flachwassershape (oder auch Touringshape genannt) deutlich angenehmer. Ein Touringboard ist vorne spitz, (mindestens) 11 Fuss lang und besitzt „eine“ (austauschbare) Mittelfinne. Die Länge in Verbindung mit den spitzeren, schnittigeren Shape gleitet viel besser durchs Wasser und sorgt für einen besseren Geradeauslauf. So kommt man schneller vom Fleck, braucht weniger Kraft und muss nicht nach jedem Paddelschlag die Seite wechseln. Kurzum, man hat damit einfach mehr Spass!

Erster Eindruck / Verarbeitung:

Spitzer, bauchiger Shape und eine leichte Aufbiegung vorne an der Nose… Der Kajuna Pirate-Edition Shape ähnelt von der Form und den Massen auch den hochwertigeren Kajuna Silent-Glide Modellen oder auch der Fanatic Ray Modellreihe.

Der schnittige, schöne Shape ist ein alter Bekannter

Das Mass 11’6 x 31 an sich ist schlau gewählt. Denn aus Erfahrung mit ähnlich bemassten Boards wissen wir, Boards mit diesen Body haben theoretisch das Potenzial einem auch längerfristig Freude zu bereiten.

„Längerfristig“ allerdings dann auch nur, wenn das Material da auch mitspielt. Und hier geht Kajuna offenbar keinen faulen Kompromiss ein. Zum Einsatz kommt das superleichte, prelaminierte One-Layer Drop-Stich Material welches letztes Jahr noch beim (deutlich teureren) X-Flow zum Einsatz kam.

Bewährtes, superleichtes Material

Das Material hat sich bereits seit 1.5 Jahren beim Kajuna X-Flow im Miet und Dauereinsatz bewiesen. Und dieses Material steht auch dem Pirate-Edition Board gut. Es ist nebenbei super flexibel beim ein- und ausrollen und superleicht.

Einzig und alleine etwas störend empfanden wir, das dass Gepäcknetz etwas zu sehr angespannt ist, so das flexible Material ohne Luft dort beim zusammenrollen etwas falten warf.

Einfaches Design aber wertig

Betrachtet man das Board ein wenig näher, dann fällt einem auf, das es in punkto Design und Features ziemlich nüchtern daherkommt. Einfarbiger Aufdruck, schlichtes Fusspad, wenig Griffe und Ösen…

Wo so manche No-Name-Boards um die Wette blinken und poppen da zeigt sich das Pirate-Edition bis auf den grossen, stolzen Piratenschädel relativ schlicht. Die Begründung klingt authentisch, sympathisch und zeigt das Konzept der Thurgauer Boardmarke auf.

Metall- Abschleppöse unter dem Bug

Kajuna möchte ein gutes, ehrliches Board mit soliden Leistungen zum Spitzenpreis anbieten. Aggressive Marketingslogans klingen jedenfalls anders. Jeder der rechnen kann und sich mit der Materie ein wenig auskennt, der weiss: 699 CHF – da liegt einfach ohne faule Kompromisse kein grosses Plingpling drin. Dafür aber durchaus, so Jérome von Kajuna: „ein langlebiger, relativ steifer Shape und eine ordentliche Performance“

Kajuna baut auf kleine Serien, bei denen die Boards einzeln geprüft werden, ein weisses (weniger UV-Strahlung-empfindliches) Material, ein gutes weiches Fusspad aber dafür keine Stringer, keine zusätzlichen Ösen, keine Überraschungen… keep it simple – dem Preis zu liebe!

Premium EVA Fusspad

Die Verarbeitung ist auch an den Nähten erfreulicherweise gut. Das bewährte, relativ offenporige Fusspad kommt auch bei den teureren Modellen zum Einsatz. Es ist sehr widerstandsfähig gegen Abnutzung und sieht auch nach Jahren (braun sei Dank) noch schön aus. Ausserdem fühlt es sich schön soft an und bietet guten Grip. Dem Preis zuliebe jedoch einfarbig und durchwegs nur in Diamond-Cut Ausführung.

Grosses Gepäcknetz aber günstige Kunststoffösen

Das Gepäcknetz ist grosszügig bemessen, wird aber von etwas einfachen, weniger robusten Kunststoffösen gehalten. Der Handgriff ist schön breit aber nicht ganz so Komfortabel wie bei den Kajuna Premium Modellen.

Einfacher Steckfinnenkasten anstelle eines US-Box Finnenkastens

Das nächste Bauteil das scheinbar dem Rotstift zum Opfer fiel ist der Finnenkasten. Anstelle eines US-Box Finnenkastens muss man sich hier mit einem einfachen Steckfinnen-Kasten begnügen. Dieser hat zwar den Vorteil das die Finne einfach, schnell eingeklickt werden kann aber man kann sich hier dafür nicht aus dem extrem variablen US-Box Finnensystemregal bedienen.

Ein Nachteil, der jedoch dem Einsteiger nicht wirklich zur Last fallen dürfte. Denn dem sollten die maximal 3 erhältlichen Finnenmodelle / -Grössen erst einmal ausreichen.

Als Transportsack kommt ein solider Rucksack zum Einsatz. Dieser ist mittels grossem Reissverschluss gut zu beladen und sorgt mit seinem gut belüfteten Seitenmaterial dafür das die Luft zirkulieren kann.

Top!!! Die Leute von Kajuna legen eine Premium Pumpe bei. Die Kajuna Doppelhubpumpe gehört mit zu den besten Doppelhubpumpen im Markt. Man kann sie extrem klein zusammenlegen und die Reibung wurde nochmals minimiert.

Die neue, klein zerlegbare Pumpe und der Light Rucksack passen ins Konzept

Im Wasser

Der Weg zum Wasser wird mit dem superleichten Board zum Kinderspiel.

Wir steigen auf, geben dem Piratenboard die Sporen und uns erhascht sogleich das Gefühl von seltsamer Vertrautheit. Denn auf den Ersten Metern könnte man auch auf einem Fanatic Ray oder Kajuna Silent-Glide stehen.

Bei Gewichtsverlagerung und zunehmenden Bewegungen auf dem Board macht sich dann jedoch ein etwas grösseres Eigenleben des Materials bemerkbar, welches beim leichten Sprung dann in etwas mehr Flex ausartet.

Der Stand auf dem Board lässt sich mit „relativ einsteigerfreundlich und einem feinen Schuss Sportlichkeit“ beschreiben.

Die Geschwindigkeit lässt sich sehr gut halten. Steht man bei flachem Wasser an Ort und Stelle dann paddelt sich das Board sehr schön an. Man hat mit zunehmender Geschwindigkeit jedoch das Gefühl das es etwas Wasser vor sich herschiebt.

Der Blick von der Seite zeigt uns auch wieso das so ist. Das Board ist weniger steif und macht unten deshalb einen etwas grösseren Buckel als dies z.B. bei steiferen Premium Boards der Fall ist. Aber alles noch im grünen Bereich – jedenfalls weit weg von manch bereits getesteten Bananen-Boards.

Das Halten der Geschwindigkeit gelingt gut. Der Geradeauslauf dürfte für meinen Geschmack aber noch etwas stärker sein. Ein Finnenwechsel brachte hier Abhilfe. Paddler die Spurtreue schätzen sollten das Board evtl. gleich mit einer grossflächigen Finne auswählen.

Möchte man mit etwas Körpereinsatz und Power paddeln, dann spürt man das dass Board nicht unbedingt auf maximale Effizienz hin getrimmt ist. Es verpufft etwas mehr Energie in Brett und Wasser. Dem Einsteiger verzeiht der Shape dagegen relativ viele Fehler. Er neigt auch nicht übermässig zum rollen bei seitlicher Gewichtsverlagerung.

Kleinere Wellen hält die leicht nach oben gezogene Nose sauber unter dem Bug. Bei grösseren Schaukelwellen windet sich das Konstrukt etwas mehr in alle Richtungen und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit und damit auch Speed. Der Fortgeschrittene vermisst in manchen Situationen die Beherrschbarkeit eines steiferen Brettes.

Beim Pivotturn lässt sich das Board dagegen gut beherrschen. Es fühlt sich hinten (üblicherweise) etwas wackeliger an aber mit etwas Übung kann auch der mutige Anfänger schnell zum Erfolg kommen.

Das EVA Fusspad ist auch nach längerem Stehen angenehm und bietet genügend Grip. Sehr schön, denn viele sparen auch genau dort. Dabei ist der angenehme Kontakt und die (Ver)Bindung zum Board ein nicht gerade unwichtiges Feeling.


Unser Fazit:

Das Kajuna Pirate-Edition Board gleich als ein Wunder zu deklarieren, das wäre sicher etwas übertrieben. Das Konzept dahinter geht aber wortwörtlich „wunderbar“ auf.

Denn Kajuna bietet mit dem Pirate-Edition auch preissensiblen Käufern ein ehrliches, nachhaltiges und leistungsfähiges Board. Und das in einer Preislage, in der sich viele berüchtigten Discount- und No-Name Marken mit fragwürdigem Material tummeln.

Das Kajuna Pirate-Edition inflatable SUP-Board richtet sich in Erster Linie an Einsteiger. Es besitzt aber durchaus das Potenzial auch längerfristig glücklich zu machen. Familien, Kids oder einfach nur freizeithungrige Menschen fühlen sich auf dem aufblasbaren Piratenboard gleichermassen wohl. Sportlich ambitionierte Typen oder Paddler die gerne mehr Effizienz möchten, denen empfehlen wir aber eher die Premium SUP-Board-Linie von Kajuna. Kurzum:

Das Board geht in Preis- und Leistung gut voran und macht schlichtweg einfach Spass!

Hört sich vielleicht nach Basics an aber ist bei weitem kein Standard in dieser Preislage! Und deswegen halten wir beiden Daumen hoch und geben die Kaufempfehlung für das günstige dabei aber alles andere als billige Kajuna Pirate-Edition SUP-Board.

Die schlauen Köpfe kaufen ihr Board beim spezialisierten Fachhändler. Dort könnt ihr auch das Material i.d.R. testen und profitiert von guten Sets, Top-Beratung, aktuellsten Serien und im Falle eines Falles von professionellen Reparaturen & schnellen Garantieabwicklungen. Bei den SUP-Piraten gibt’s das Board zum Top-Setangebot inkl. high-end Carbon Paddel, gratis Testmöglichkeit bei meist sofortiger Verfügbarkeit.

–> Das Kajuna Pirate-Edition SUP Board im SUP-Piraten Shop anschauen/mieten/kaufen

Kurzes Video zum Test:

*Wichtig: Dieser Test ist kein offizieller Produkttest und ersetzt keine Probefahrt durch Dich! Er beruht lediglich auf eigenen Erfahrungen, auf persönlichen Meinungen zu diesem Produkt (frei von Sponsoring). Dein Fahrkönnen, Deine Gewohnheiten und Bedürfnisse sind bei der Wahl des passenden Stand Up Paddle Boards unbedingt mit einzubeziehen!

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